Nachruf Klaus Tafel

Klaus Tafel ist am 24.09.2008 gestorben.

Im Rückblick darf gesagt werden, dass er einer der Pioniere des Minigolfsportes in Deutschland war. Die erste Berührung mit Minigolf hatte er Ende der 50er Jahre auf der Miniaturgolfanlage in Partenkirchen, damals in der Nähe des Hauptbahnhofes.

Minigolf war damals wohl noch eine etwas exotische Beschäftigung. Nach einem schweren Mopedunfall, welche seine Fußballkarriere beendet hatte, suchte er sich dort Unterhaltung und kam mit den ersten "Platzexperten" in Berührung. Schon bald hatte er diese aber im Griff. Gemeinsam wurde alsbald der MGC Garmisch-Partenkirchen aus der Taufe gehoben und fleißig Turniere besucht. Aufgrund seines Talentes, seiner Wettkampffähigkeit und unermüdlichen Trainingsergeizes ist er sehr bald bei vielen Pokalturnieren als Sieger vom Platz gegangen. Es dauerte nicht lange und Klaus bewährte sich auch bei den Meisterschaftsturnieren. Sein lange glänzender Minigolf-Stern ging dabei bei den Deutschen Miniaturgolf-Meisterschaften 1961 in Dortmund richtig auf. Auf Anhieb gelang ihm dort der Gewinn des nationalen Herren-Titels.

Bei der ersten Teilnahme an einer Miniaturgolf-Europameisterschaft im Jahr 1963 in Dortmund errang er den dritten Platz bei den Herren. Im darauf folgendem Jahr gelang ihm einer der spektakulärsten Siege bei einer Europameisterschaft. In Helsingborg/Schweden fanden die Miniaturgolf-Meisterschaften auf originalen schwedischen Sandbahnen (!) mit bis zu 18m Länge statt. In Schweden war zu dieser Zeit Minigolf schon eine bekannte und in der Bevölkerung anerkannte Sportart. Der Sieg gelang Klaus über die übermächtig erscheinende schwedische Konkurrenz. In überregional erscheinenden Zeitungen wurde in Schweden in großen Artikeln über den überraschenden Sieg eines Deutschen berichtet. Ebenfalls im Jahr 1964 errang er den 2. Titel eines Deutschen Miniaturgolf-Meisters. Deutsche Meisterschaften hatten damals einen anderen Charakter als Heute. Viele Hunderte mehr oder weniger begabte Minigolfer bemühten sich um den Sieg. Auch die Zuschauer hatten Zutritt zu den Minigolfbahnen und während der Finalrunde war außer den Bahnen keine freie Stelle mehr zu sehen.

Im Jahr 1965 konnte Klaus seinen Europameistertitel bei den Herren in Arnheim/Niederlande verteidigen. Durch diese Erfolge bei den damals welthöchsten Titelkämpfen kann wohl vermutet werden, dass zu dieser Zeit Klaus einer der weltbesten Minigolfer war. Nach einigen Jahren intensiver Reisetätigkeit mit der deutschen Nationalmannschaft beendete er Ende der 60er Jahre seine internationale Karriere und war noch eine Zeitlang als Seriensieger bei Pokalturnieren in Bayern und Österreich unterwegs. Als sich die Spielgemeinschaft aus dem Minigolfclub Garmisch-Partenkirchen und dem Minigolfclub Krün nach Unstimmigkeiten mit einem Paukenschlag auflöste, sah man Klaus Anfang der 70er Jahre nur noch auf Gästeturnieren spielen. Ab dem Jahr 1976 spielte er wieder aktiv für den Minigolfclub Murnau. Dadurch konnten auch andere Neuzugänge gewonnen werden und die bisher unbedeutende Herrenmannschaft etablierte sich dauerhaft als bayerische Spitzenmannschaft.

Ein neues Kapitel wurde 1980 aufgeschlagen als Klaus von Helmut Landl für die Bundesligamannschaft des BGC Landshut geworben wurde. In dieser Mannschaft sammelten sich die damals besten Minigolferspieler von Bayern. Von vielen Vereinen wurde dieses "Experiment" argwöhnisch betrachtet und als Tabubruch gedeutet. Aus heutiger Sicht ist zu sagen, dass dies aber nur die heutigen üblichen Gepflogenheiten bei Spitzenmannschaften vorwegnahm.
Ab dem Jahr 1986 war er für seinen wiedergegründeten Bahnengolfclub Garmisch-Partenkirchen unterwegs. Zwar musste er mit der Herrenmannschaft kleinere Brötchen backen, war aber im Einzelwettbewerb regelmäßiger Teilnehmer bei bayerischen und deutschen Meisterschaften.

Eigentlich wollte Klaus nicht in die Seniorenkategorie wechseln. Er ließ sich aber vom damaligen Seniorensportwart aber dazu überreden, damit er bei den Senioreneuropameisterschaften die deutsche Mannschaft verstärken konnte und startete damit seine 2. internationale Karriere. Im Jahr 1990 konnte Klaus den Europameistertitel in der Senioreneinzelkonkurrenz im niederländischen Afferden erringen und beendete danach wiederum seine Nationalmannschaftstätigkeit. Nach einer lebensbedrohlichen Krankheit seiner Frau im Jahr 1992 und der darauf folgenden notwendigen Pflege mußte er seine Turnieranwesenheit einschränken. Trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, mit den Minigolfern aus Garmisch-Partenkirchen die notwendigen Ligenturniere zu spielen und auch noch diverse Pokalturniere zu besuchen.

Ebenfalls durchlebte er erfolgreich auch fast 50 Jahre Funktionärstätigkeit für den Minigolfsport. Aufgrund seines Vorbildes und seiner Ansprache fingen viele auch heute noch aktive Minigolfer mit dem Minigolfsport an. In dem von ihm bis zuletzt geleiteten Club wurden viele Talente gefördert, welche später auch zu Meisterehren kamen. Er war bei allen Minigolfern als immer geselliger und diskussionsbereiter Sportler bekannt, wobei manche Aussprache auch mal etwas lauter geführt wurde. Dabei ging es Klaus aber immer um die Sache und er hatte die Weiterentwicklung und die Zukunft des Turniersports im Visier. In seinen Augen Ungerechtes wurde von ihm angesprochen, wobei er sich vor keinem Gesprächspartner scheute. Er war auch seit vielen Jahrzehnten ein Verfechter des abteilungsübergreifenden Spielbetriebes, welches er durch die Teilnahme bei Turnieren in allen(!) Abteilungen schon früh belegte.

Er erhielt alle möglichen Ehrungen durch die Minigolfverbände, konnte die Ehrenplakette der Marktgemeine Garmisch-Partenkirchen entgegennehmen, sowie sich 2 mal im goldenen Buch seiner Heimatgemeinde eintragen.

Eine Miniaturgolf- und eine Kleingolfanlage wurden von ihm seit vielen Jahren betrieben und somit hat er auch viele Publikumsspieler mit seinem Sport erreicht.
Mit Klaus verlieren wir einen Freund und Visionär unseres Sports. Er hinterlässt eine Lücke, welche sich nicht schließen lässt. Wir danken für die Zeit, die wir gemeinsam mit ihm gehen durften.

 

                                                                             Manfred Tafel

Druckversion Druckversion | Sitemap
Aktualisiert am 01.01.2017